Was du als Unternehmerin vom Jakobsweg lernen kannst – 5 Tipps für große Ziele

Es heißt, dass man vom Jakobsweg gerufen wird, wenn man ihn gehen soll. Das kann ich nur bestätigen. Auch mich hat er „gerufen“ und ich habe mich darauf eingelassen. Meine Erkenntnisse und die vielen Parallelen, die mir zum Lebens- und Businessweg aufgefallen sind, möchte ich in diesem Blogartikel mit dir teilen. Und ähnlich wie der Jakobsweg ist diesmal auch mein Blog etwas länger geworden.

Der Jakobsweg ruft also die Menschen. Ist es nicht mit dem eigenen Business ähnlich? Du hörst davon, lernst jemanden kennen, der es macht oder schon gemacht hat und immer wieder kehren deine Gedanken dahin zurück. Und wenn die Zeit reif ist, mehren sich die Koinzidenzen. Noch eine zufällige Begegnung. Noch ein Bericht in einer Zeitschrift oder auf Social Media. Und das Gefühl wird immer stärker, dass das auch etwas für dich sein kann…

Mich faszinierte der Jakobsweg zwar schon viele Jahre, jedoch hatten mich Erzählungen vom 800-km-langen Weg aus Frankreich nach Santiago und 16-Kilo-schweren Rucksäcken immer abgeschreckt. Aber loslassen wollte mich der Camino, wie er in Spanien genannt wird, auch nicht. Ab 2019 begannen sich dann die Zeichen zu mehren und 2020 fragte mich meine Freundin Anna aus Hamburg, ob ich mit ihr den Jakobsweg von Porto nach Santiago gehen wolle. 

Es war die Zeit zwischen den Lockdowns. Ich suchte nach einer neuen Richtung für mein Unternehmen und auch für mich persönlich. Mein Kopf rebellierte „auf keinen Fall, du bleibst hier am Schreibtisch und kümmerst dich um deine Sachen“. Und ich wollte mich auch um meine Sachen kümmern, aber anders. Der Jakobsweg ab Porto schien mir der perfekte Weg dafür. Er war nicht so überlaufen wie der „Camino Francés“, inzwischen wusste ich, dass man die Ausrüstung auf unter 10 Kilo reduzieren kann und 300 km traute ich mir zu. Doch das Entscheidende war diese große Freude, die aufkam, sobald ich an den Küstenweg dachte. Also sagte ich Anna zu, buchte meine Flüge und kaufte einen großen Rucksack.

Ist es mit dem eigenen Business nicht ähnlich? Manchmal dauert es, bis die Zeit reif ist. Und auch, bis man spüren kann, welche Art von Business zu einem passt. Aber wenn das Thema dich nicht loslässt, hat das etwas zu bedeuten. 

1. Erkenne den Ruf und welche Art des Weges für dich richtig ist

Ein bisschen Mut gehörte schon dazu, aber ich ließ mein Herz meinen Wegweiser sein. Und so starteten Anna und ich gerade mal drei Wochen später in Porto. Mit Pilgerrucksack, Wanderschuhen und einer Camino App. Knappe 300 Kilometer lagen vor uns und je nach Trinkwasservorrat wog der Rucksack um die 9 Kilo. Bei mir sind das fast 20 % meines Körpergewichts. Also nicht ganz easy und vor allem kein Sprint. Wir entschieden uns daher für einen moderaten Einstieg von 15 km pro Tag. Danach würden wir uns steigern können. An Tag fünf trafen wir eine Pilgerin, die mit 40 km pro Tag gestartet war und auch lange Strecken barfuß im Sand lief, was schon ohne schweren Rucksack sehr anstrengend ist. Inzwischen konnte sie vor Schmerzen kaum mehr gehen. Sie dachte, Medikamente und ein Tag Pause könnten ihr helfen. Aber der Arzt, den sie aufsuchte, war sehr klar. „Fliegen sie heim. Selbst wenn sie mehrere Tage Pause machen, ihre Muskulatur ist in einem Zustand, der den Weg nach Santiago momentan unmöglich macht“.

Was dieser Pilgerin passiert ist, war mir nicht fremd. Ich hatte auch schmerzlich lernen müssen, Dinge anders anzugehen. Wie ist es bei dir? Wie oft bist du in deinem Business versucht, den gleichen Fehler zu begehen? Deine Tagesetappen so zu definieren, als würdest du einen Sprint machen, statt in Langstrecke zu denken. Pausen, Urlaube, Zeit für deine Gesundheit, für Freunde und Familie? Ja, wenn der Unternehmerinnengeist in dir wohnt, dann willst du vorankommen und das ist gut so. Aber zu schnell zu viel zu wollen, kann dazu führen, entkräftet aufgeben zu müssen.

2. Habe den Mut, deinem Herzen zu folgen
und plane dann Tagesetappen, die einer Langstrecke entsprechen

Der Weg entlang der Küste war magisch! Wir gingen über hölzerne Wege neben den Stränden, durch Felder und Wälder. Den Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in der Natur zu verbringen war wie heimkommen. Die Geräusche, Gerüche sowie der Wechsel des Wetters bescherten uns Pilgern immer neue, faszinierende Momente und fast unbeschreibliche Kulissen. Die vielen Markierungen gaben das gute Gefühl, geleitet zu sein. Es waren gelbe Pfeile und Jakobsmuscheln auf der Straße, auf Bürgersteigen, auf Mauern, auf Steinen und auf Brücken. Die meiste Zeit sehr zuverlässig, aber es gab auch Situationen, wo es gut war, die Navigationsapp zu haben oder einen Einheimischen, der im richtigen Moment des Weges kam. 

Am Abend planten wir immer die Etappe für den nächsten Tag. War es Zeit, unsere Sachen zu waschen, brauchten wir eine Unterkunft mit Waschmaschine und Trockner. Dazu mussten wir aber früh ankommen. Also gingen wir an diesen Tagen eine kürzere Etappe und an anderen dafür eine längere. Herauszufinden, ob Unterkünfte offen oder wegen Corona geschlossen waren, war nicht ganz so leicht, wie man sich das vorstellt und aktualisierte Website und telefonische Erreichbarkeit so eine Sache. So mussten wir wechseln, zwischen genauer Etappenplanung mit Reservierung und einfach loslaufen und abends vor Ort etwas suchen. Aber wir hatten unser Ziel vor Augen und einen Plan, wie viele Kilometer wir im Durchschnitt schaffen mussten, um rechtzeitig in Santiago anzukommen. Unsere abendliche Kilometerbuchhaltung, wie wir sie irgendwann nannten, war dazu die Basis.

Hast du sowohl dein Ziel als auch deine einzelnen Etappen vor Augen und kennst immer deinen Stand? Kannst du zwischen Planung und Flexibilität wechseln, wenn es nötig ist? 

3. Nutze Meilensteine, damit du die Richtung behältst und justiere rechtzeitig nach

Sobald man viel im Freien ist, bekommt das Wetter eine ganz andere Bedeutung. Und es war so vielseitig, wie es die Umstände im Leben und Business auch sein können. Megasonnig mit 30 Grad, Regen und auch mal Sturm. So viel Sturm, dass wir einen unserer Reservetage für eine Pause einlegen mussten. Das war letztlich gut, weil wir dadurch wieder Kraft tanken konnten. Stärkend war auch die wunderbare Küche Portugals und Spaniens. Wenn, ja wenn denn die Lokale offen hatten. An einem Vormittag verging Stunde um Stunde, ohne dass es ein einziges geöffnetes Café gab. Also kein leckeres Hörnchen und vor allem kein warmes Koffein. Doch es half kein Jammern. Irgendwann verstand ich die Aufgabe. Es galt den Weg losgelöst von Erwartetem zu genießen und mit dem Vorhandenen auszukommen. So fanden sich im Rucksack noch ein kleines Wasser, ein paar Datteln aus der Notration und ein Brotrest vom Vortag. Das musste reichen. Und das tat es auch. 

Nach den Einschränkungen des Lockdowns tat es in der Seele gut, so frei zu sein und wieder neue Menschen kennenzulernen. Und es schien fast so, als wurden für die Antworten, die man auf dem Weg nicht selbst finden konnte, Weggefährten „geschickt“. Man begegnete sich „zufällig“ und ging ein Stück des Weges zusammen. Man vertraute sich einen Teil der eigenen Lebensgeschichte an und war sich gegenseitig wertvolle Inspirationen. So kamen Anna und ich auch nicht alleine in Santiago an, sondern verbunden mit einigen anderen europäischen Pilger*innen, die wir alle in vielerlei Hinsicht „weit gekommen waren“. 

Als wir nach 300 km in Santiago de Compostela ankamen, war es eine große Freude und die „Besiegelung unseres Erfolgs“. Wir hatten geschafft, wozu wir aufgebrochen waren. Aber eines wurde mir dabei wieder einmal bewusst, der Moment des Ankommens ist kurz. Hätte ich den Weg mit all seinen wundervollen, aber auch herausfordernden Momenten nicht genossen, hätte ich das Wichtigste verpasst. Nicht umsonst heißt mein Buch „Glücklichsein und andere Aufgaben“!

Wie steht es um deinen Weg? Bist du versucht das Ziel manchmal über alles zu stellen?

4. Fixiere nicht nur deine Ziele, sondern genieße den Weg und die Erfahrungen,

die du sammelst, es sind die Schätze deines Lebens

Trotz oder vielleicht sogar wegen Corona war es für mich genau der richtige Zeitpunkt, den Camino zu gehen. Ich wollte mir über einiges klarer werden und erkennen, wo ich in meinem Leben auf dem richtigen Weg war und wo nicht. Kaum war ich zurück, wurde der zweite Lockdown angekündigt. Ich lies mich davon nicht beirren. Arbeitete hinter verschlossenen Türen weiter an den Projekten, die ich realisieren wollte. Schritt für Schritt, Etappe für Etappe wie beim Pilgern. Auch wenn es Umwege zu bewältigen und geschlossene Cafés auszuhalten gab. Wenn es ein Weg ist, der dem Herzen entspricht, dann lohnt sich jeder Schritt!

5. Große Ziele erreicht man nicht von heute auf morgen.

Weder im Leben noch im Business. Aber Etappe für Etappe.

Mit dieser Geschichte habe ich dich ein Stück weit mitgenommen auf den Weg nach Santiago. Hat dich der Artikel inspiriert? Erinnert? Einen Ruf in dir geweckt? Hast du Parallelen erkannt? Ich freue mich über deine Geschichte und einen Kommentar auf Instagram oder Facebook.

Du möchtest weitere Inspiration für deinen Weg? Dann lies In meinem Freebie, wie du deine drei wichtigsten Lebensbereiche im Auge behältst und dafür Ziele definierst.

Ich wünsche dir für dein Leben und dein Business „Buen camino!“ 

Hab einen guten Weg!

Karin

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